Warum ich einen Kinderarzt als Vorbild sehe, obwohl ich nur Erwachsene behandle

A doctor with a stethoscope examining a smiling girl during a medical check-up at home.

Im Studium habe ich viele Texte aus der Psychoanalyse gelesen. Einer der Autoren, der mich besonders berührt hat, war Donald Winnicott, ein englischer Kinderarzt und Psychoanalytiker.


Er beschäftigte sich intensiv mit der frühen Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson – vor allem mit dem, was in den ersten Lebensmonaten entsteht: Sicherheit, Vertrauen und das Gefühl, lebendig zu sein.

Seine Gedanken haben mich nachhaltig geprägt, obwohl für mich von Anfang an klar war, dass ich nicht mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten möchte.
Besonders angesprochen hat mich Winnicotts Verständnis von Spiel. Für ihn ist Spielen kein Zeitvertreib, sondern ein zentraler menschlicher Erfahrungsraum. Kinder lernen im Spiel, treten in Beziehung und drücken sich aus – frei von Leistungsdruck, Erwartungen oder Bewertungen.

Und genau hier liegt für mich der Bezug zur Arbeit mit Erwachsenen.

Im Laufe unseres Lebens verengt sich dieser Spielraum oft. Gesellschaftliche Normen, Regeln und innere Stimmen sagen uns, was richtig oder falsch ist, was erlaubt ist und was nicht.
Vieles davon wird so selbstverständlich, dass wir es kaum noch hinterfragen.
Therapie kann dann ein Raum werden, in dem sich dieser Spielraum wieder öffnet.
Ein Raum, in dem Sie ausprobieren dürfen, ohne etwas leisten zu müssen.
In dem neue Erfahrungen möglich werden – ohne Druck, ohne Bewertung.

Nicht um etwas „richtig“ zu machen, sondern um wieder in Kontakt zu kommen mit dem, was sich stimmig und lebendig anfühlt.

Mehr erfahren: https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/donald-winnicott-vom-vertrauen-in-die-faehigkeit-der-eltern/1820973

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert