Kann Musikhören auch Musiktherapie sein?

Eine berechtigte Frage. Viele sagen: „Musik tut mir gut – das ist doch schon therapeutisch, oder?“
Meine Antwort: Ja – und Nein.
Es gibt in der Musiktherapie auch einen Ansatz, der sich „rezeptive Musiktherapie“ nennt. Dabei hören Klientin und Therapeutin gemeinsam gezielt Musik – nicht willkürlich, sondern bewusst ausgewählt und eingebettet in ein therapeutisches Gespräch.
„Aber reicht es nicht, wenn ich einfach selbst Musik höre?“
Ja, wenn Sie beim Musikhören Gefühle wahrnehmen können, wenn Sie sich über Musik regulieren oder stärken – dann ist das eine wertvolle Form der Selbstfürsorge.
Musik kann:
– gute Erinnerungen wecken
– Stimmung aufhellen
– Traurigkeit Raum geben
– Kraft schenken
In diesem Moment sind Sie selbst Expert*in für das, was Ihnen guttut.
Aber: Was, wenn Musik allein nicht mehr reicht?
Wenn Sie sich emotional verloren fühlen, nicht weiterkommen, oder unter einer psychischen Belastung leiden – dann kann rezeptive Musiktherapie genau der Raum sein, der Sie behutsam begleitet.
In der rezeptiven Musiktherapie:
- müssen Sie nichts spielen
- wir hören gemeinsam ein Musikstück – passend zu Ihrem persönlichen Thema
- und beobachten, was es innerlich auslöst
Kennen Sie das, wenn beim Hören von Musik plötzlich Bilder, Erinnerungen oder Gefühle auftauchen? Genau damit arbeiten wir – auf achtsame, therapeutische Weise.
Und warum braucht es dafür eine Therapeutin?
Weil diese Reise manchmal in tiefer liegende Schichten führt. Und es gut ist, jemanden an der Seite zu haben, der sicher begleitet und neue Sichtweisen eröffnet – ohne zu überfordern.
Fazit: Musikhören kann Selbstfürsorge sein – aber auch ein therapeutischer Weg, um Dinge zu entdecken, die bisher verborgen oder vergessen waren.
mehr erfahren: Was ist Musiktherapie? (Deutsche musiktherapeutische Gesellschaft)
